Kritik der Medienkritik

Es geht nicht darum, Medienkritik an sich zu diffamieren. Die Entwicklung der Medien ist Folge und Motor des gesellschaftlichen Wandels. Selbst unsere Wahrnehmung von Welt und unser Selbstbild bleiben von diesen Veränderungen nicht unberührt. Schon dies wäre Grund genug, um die Veränderungen der Medienlandschaft aufmerksam zu verfolgen und kritisch zu begleiten.

Kritik ist allerdings anzumelden, an der Art und Weise anzumelden, wie über Medien diskutiert wird. Eine produktive Auseinandersetzung mit der Medien- und Informationsgesellschaft beginnt mit einer Kritik an den Allgemeinplätzen des gängigen Mediendiskurses. Der genauere Blick auf die Allgemeinplätze der Medienkritik kann u.a. zeigen,

  • dass die Entwicklung einzelner Medien und des Mediensystems auf das Engste mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden ist,
  • dass bei Aussagen über das "Wesen" einzelner Medien ausgeblendet wird, dass Medien eine Vorgeschichte und Geschichte haben,
  • dass sich innerhalb einer Medientechnik unterschiedliche mediale Nutzungsformen entwickeln,
  • dass Medien nicht isoliert voneinander zu betrachten sind, sondern als Elemente einer Medienlandschaft von denselben Tendenzen erfasst und verändert werden,
  • dass Tendenzen der Medienentwicklung auch mit Veränderungen von Rezeptionsmustern und Nutzungsstilen korrespondieren.

Medienkritik sollte den Blick öffnen für die Medien als kulturrelevante und kulturverändernde Instanzen. Dazu kann die Auseinandersetzung mit Verlust-, Verfalls- und Bedrohungsszenarien, wie sie in der kulturpessimistisch grundierten Medienkritik häufig angesprochen werden, einen Beitrag leisten.


 

Materialien für den Unterricht

Medienkritik als Kulturkritik - Verlust –, Verfalls- und Bedrohungsszenarien

„Damals als noch …!“ - Medienkritik als Sehnsucht nach einer als authentisch verbrämten Vergangenheit

Die Moderne beginnt im 19. Jahrhundert – Zur Kurzsichtigkeit der Kulturkritik

Die Schnellschreibekunst als Bundesgenossin von Dampf und Elektrizität

Die Illustration als Hebel der Volksbildung

1869 – Die Einführung der Postkarte aus volkswirtschaftlicher Sicht

1899 – Die Ansichtskartenseuche

Neue Medien verdrängen alte Medien?

Die Kultur! Geht natürlich den Bach runter. Aber wie lange schon?

Lesepraktiken verändern sich - Auch Kulturtechniken haben eine Geschichte

Gewinn- und Verlustrechnungen - Das Buch als Informationsträger für exakte Erkenntnisse

Alltäglich gewordene Medientechniken werden nicht mehr als technische Artefakte wahrgenommen

Medien werden zum Motor der Globalisierung und führen zu einer weltweiten Einheitskultur!

Der andere Blick auf Medien

„Wer braucht das eigentlich?“ - Standardsituationen der Technologiekritik?

Fallen der Medienkritik: Technikdeterminismus

Herrschaft der Apparate - Der Apparat fotografiert?

Der blinde Fleck der Kulturkritik – Medien als Werkzeuge der Weltaneignung in Wissenschaft und Technik

Photographie und Himmelskunde

Medien verstellen den Zugang zur Wirklichkeit!

Medialisierung und der Verlust der ganzheitlichen Wahrnehmung

Unterschiede zwischen der Betrachtung der Natur und dem Betrachten einer Fotografie der Natur

Medienabhängigkeit: Erfahrungen aus zweiter Hand!

Vorsicht! Medienkritik ist (häufig) mehr als Kritik an Medien

Warnung vor Reizüberflutung

Von der Irritation zur Attraktion - Der Panoramablick aus dem Eisenbahnabteil

Schwer verdaulich oder leichte Kost? – Medienkritik als Ernährungslehre

Ein Blick auf Platons „Schriftkritik“ – eine Anleitung zum angemessenen Umgang mit schriftlichen Texten

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“

Das Ende des Buches – 1894/95

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