Medienkritik aus dem Blickwinkel der “Gefahren- und Risikodiskussion”

Die Entwicklung der Medien ist Folge und Motor des gesellschaftlichen Wandels. Selbst unsere Wahrnehmung bleibt von diesen Veränderungen nicht unberührt. All dies ist Grund genug, um die Veränderungen der Medienlandschaft aufmerksam zu verfolgen und kritisch zu begleiten.

Kritik ist allerdings an einer Art und Weise anzumelden, wie über Medien insbesondere für den Bereich von Schule und Erziehung diskutiert wird: Typisch für diese Kritik ist, dass sie sich an den jeweils neuesten Entwicklungen im Bereich der Unterhaltungs- und Freizeitmedien und deren Nutzung durch Kinder und Jugendliche festmacht.

Damit ist eine unzulässige Verengung des Blickwinkels verbunden. Wer seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf Talkshows und Computerspiele konzentriert, erfasst damit nicht die Realität der Informations- und Mediengesellschaft, in der wir leben.

Wer die Auseinandersetzung mit Medien aus diesem verengten Blickwinkel als "Gefahren - und Risiko-Diskussion" beginnt, begibt sich in eine pädagogische Sackgasse. Wer sich aus dieser Perspektive dem Thema "Medien" nähert, muss sich nicht weiter mit dem Thema Medien auseinandersetzen, denn Erziehung zur Medienabstinenz wäre dann die beste Art der Medienerziehung.


 

Medienverwahrlosung

Für unzureichende Schulleistungen wird in der öffentlichen Diskussion häufig als ein zentraler Einflussfaktor angeführt, dass sich in den letzten Jahren der Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen erhöht hat. Insbesondere das Sehen von Horror- und Actionfilmen sowie die Nutzung von PC-Spielen habe teilweise so stark zugenommen, dass von einer wachsenden Medienverwahrlosung gesprochen werden kann. Zwei zentrale Hypothesen gibt es in  diesem Zusammenhang:

  • Es wird darauf hingewiesen, dass vielen Schülerinnen und Schülern dadurch nicht mehr genügend Zeit für das schulische Lernen und das Erledigen der Hausarbeiten bleibt.
  • Ein hoher Medienkonsum trage zur sozialen Verarmung der Betroffenen bei, weil ihnen zu wenig Zeit bleibt, sich auf sportliche, musikalische oder andere sinnvolle Freizeitaktivitäten einzulassen.

"Wir müssen verhindern, dass die Kinder und hier insbesondere die Jungen in etwas hineingeraten, was wir zugespitzt als Medienverwahrlosung bezeichnen. Dies werden wir nur ändern können, wenn wir flächendeckend Ganztagsschulen einrichten, die nachmittags einem Motto verpflichtet sind: »Lust auf Leben wecken durch breite Angebote für Sport, Musik und soziales Lernen«." (Christian Pfeiffer)


Digitale Demenz = Digitale Hysterie

2012 war Manfred Spitzers Publikation „Digitale Demenz“ in aller Munde und ihr Urheber in allen Kanälen. Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehen, Blogs im Netz – alle griffen das Thema auf. Mittlerweile ist es darum ruhiger geworden - bis zum nächsten äußeren Anlass. Insofern ist es zwar nicht zwingend notwendig, sich mit dieser Exttremposition auseinanderzusetzen, aber ein paar Hinweise erscheinen doch wichtig.

Der Sozialpsychologe Georg Milzner spricht von "Digitaler Hysterie"  und hält ein Plädoyer gegen die "Digitale Demenz":

"Bei einem so weitreichenden Kulturwandel wie der Digitalisierung ist es erst einmal normal, dass es auch Ängste gibt. Dabei muss man betonen, dass es sich ausschließlich um die Ängste Erwachsener handelt – die Kinder selbst fürchten diese Entwicklung nicht.

Unter “digitaler Hysterie” verstehe ich jedoch nicht die nachvollziehbaren Sorgen, von denen sich viele bei genauerem Hinsehen entkräften lassen. Hysterisch reagieren tun leider ausgerechnet einige Experten, die unter dem Deckmantel von Wissenschaft Behauptungen verbreiten, denen der Boden fehlt. So wird aus Ängsten ein sich ausbreitender Panikmodus, der Eltern von Kindern entfremdet."

Darüber hinaus ist es sicher auch notwendig, sich mit Ansichten und Erkenntnissen aus der Hirnforschung zu befassen - gerade auch in der Schule. Und diese danach befragen, was sie wirklich über Bildungsprozesse und Medienwirkung aussagen können.

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